Zur Bioökonomie zählen die Bereiche der Ökonomie, die erneuerbare biologische Ressourcen von Land und Meer nutzen – wie Kulturpflanzen, Wälder, Fische, Tiere und Mikroorganismen – um Lebens- und Futtermittel, Materialien und Energieträger zu produzieren. Eine neue Studie zeigt nun erstmalig, welche makroökonomische Effekte durch diese Aktivitäten ausgelöst werden, vor allem welche Umsätze und Beschäftigungseffekte. Die Daten, generiert vom nova-Institut im Auftrag des Bio-based Industries Consortium (BIC), sollen jährlich aktualisiert werden.

Wichtigste Datenquelle für alle Sektoren der Bioökonomie war Eurostat. Einige Sektoren, wie z.B. die Holzindustrie, sind vollständig bio-basiert und wurden daher komplett der Bioökonomie zugerechnet. Für andere Sektoren wie z.B. die chemische Industrie, wurden die bio-basierten Anteile geschätzt und entsprechend in die Daten aufgenommen.

Die Analyse der Eurostat-Daten zeigt, dass der Umsatz der gesamten Bioökonomie für die EU-28 im Jahr 2013 2,1 Billionen EUR ausmacht, dies umfasst Lebens- und Futtermittel sowie Getränke und die Primärsektoren Land- und Forstwirtschaft. Etwa die Hälfte des Umsatzes stammt aus dem Bereich Lebens- und Futtermittel sowie Getränken, fast ein Viertel aus den Primärsektoren Land- und Forstwirtschaft. Das andere Viertel wird von den sogenannten bio-basierten Industrien generiert, das sind vor allem Chemie und Kunststoffe, Pharmazeutika, Zellstoff und Papier, Holzindustrie, Textilien, Biokraftstoffe und Bioenergie.

In der Bioökonomie arbeiten insgesamt 18,3 Millionen Menschen. Die Biomasse-Primärproduktion, vor allem die Landwirtschaft sowie Forstwirtschaft und Fischerei, schafft den größten Anteil der Arbeitsplätze (58 %), aber nur einen geringen Umsatzanteil (21 %). Die Daten zeigen zudem einen klaren Unterschied zwischen verschiedenen Gruppen von EU-Mitgliedsländern: So sind osteuropäische Länder wie Polen, Rumänien und Bulgarien offensichtlich stärker in den Sektoren der Bioökonomie mit geringer Wertschöpfung, die aber eine hohe Beschäftigung generieren. Im Vergleich hierzu erwirtschaften Länder in West- und Nordeuropa eine erheblich höhere Wertschöpfung mit vergleichsweise geringeren Arbeitsplatzeffekten. Länder mit dem größten Verhältnis von Umsatz zu Beschäftigung sind Irland, Finnland und Belgien.

„Von besonderem Interesse“, so Geschäftsführer des nova-Instituts Michael Carus, „ist der oft unterschätzte Bereich der sog. bio-basierten Industrien, wie vor allem Chemie und Kunststoffe, Pharmazeutika, Zellstoff und Papier, Forst- und Holzwirtschaft, Textilien, Biokraftstoffe und Bioenergie. In diesem Bereich wurde im Jahr 2013 in der EU-28 ein beachtlicher Umsatz von 600 Milliarden EUR generiert und insgesamt 3,2 Millionen Menschen beschäftigt“.

Im Jahr 2013 wurde in der EU-28 ein Umsatz von 600 Mrd. € generiert [Quelle: nova-Institut]

Die Daten zeigen insgesamt einen leichten Anstieg des bio-basierten Anteils in der Chemischen Industrie und zwar für EU-28 von 5 % in 2008 auf 6 % in 2013. Die Rohstoffe der Chemischen Industrie sind zu etwa 50 % organische (fossile und Biomasse) und zu etwa 50 % in anorganische (Mineralien und Metalle).

Bezieht man die Anteile nur auf den organischen Teil, so steigt der bio-basierte Anteil von etwa 10 % im Jahr 2008 auf 12 % in 2013. Dänemark übertrifft alle anderen Mitgliedsländer mit dem höchsten bio-basierten Anteil in seiner chemischen Industrie, dies primär wegen der hohen Produktion von Enzymen. Lettland und Schweden liegen auf den nächsten Plätzen, vor allem wegen ihrer hohen Holzkohle- bzw. Tallöl-Produktion.

In Bezug auf Investitionen zeigt die letzte Umfrage aus dem Jahr 2014, dass BIC-Mitglieder beabsichtigen, in den Jahren 2014 und 2015 1,1 Milliarden EUR in bio-basierte Industrien zu investieren – und dabei vor allem in Demonstrations- und Leuchtturmprojekte, davon 820 Millionen EUR aus privatem Kapital. Weitere private Investitionen in Höhe von 2,1 Milliarden EUR planen BIC-Mitglieder in den Jahren 2014 bis 2020. Kurzfristige Investitionen finden zumeist in den Bereichen Lignocellulose und forst- und holzbasierte Wertschöpfungsketten statt.

Den vollständigen Report können Sie hier herunterladen.

[Quelle: Pressemitteilung der nova-Institut GmbH vom 3. März 2016]